KAPITEL 12 #4

Splint setzt ihn ins Moos, und Theos blo?e Fü?e berühren den Waldboden, und die F?den singen durch seine Sohlen, hallo hallo hallo du geh?rst jetzt zu uns willkommen willkommen, und er steht auf zitternden Beinen in einem K?rper, der seiner ist und nicht seiner, ver?ndert und noch immer im Ver?ndern, leuchtende Spuren, die auf seiner Haut verblassen, aber nicht verschwinden, nie wieder verschwinden.

Splint geht in die Hocke. Was seltsam ist, wenn man es ein zweieinhalb Meter gro?es Waldwesen tun sieht.

Er faltet sich an Gelenken, die nicht ganz Knien und Hüften entsprechen, und bringt sein Gesicht auf Theos H?he, und diese Augen wie Harz, das Licht f?ngt, sind jetzt weich, dunkler, das Nachglühen eines Ungeheuers, das gerade einen Menschen auf einer mondbeschienenen Lichtung gefickt hat und es gut fand.

Die Blüten auf seinem K?rper schlie?en sich.

Langsam. Bl?tter falten sich nach innen wie kleine H?nde, die F?uste machen.

Theo berührt Splints Gesicht. F?hrt mit den Fingern die Holzwange entlang, den Grat der Braue, die versiegelte Linie des Mundes. Warm. Lebendig. Wirklich.

?Danke“, sagt Theo, und meint es mehr als je irgendetwas.

Splint erzeugt einen Ton, so tief und so z?rtlich, dass Theo wieder die Augen vollaufen.

Dann richtet das Wesen sich zu voller Gr??e auf und tritt rückw?rts in die B?ume, und der Wald ?ffnet sich für ihn und schlie?t sich hinter ihm, und Theo steht allein auf der Lichtung, warmer Saft trocknet auf seinen Schenkeln, Licht verblasst auf seiner Haut, und der Geschmack goldener Sporen liegt ihm auf der Zunge.

Er findet das Lager, indem er den F?den folgt.

Das h?tte er gestern nicht gekonnt, sich am Pilzgeflecht orientieren, aber die W?rme in seinem Blut hat ihn auf das Wurzelsystem unter dem Wald eingestimmt, auf eine Weise, die sein rationaler Verstand nicht erkl?ren kann und gar nicht erst versucht.

Er geht barfu? durch den dunklen Wald und spürt die Richtung, wie ein Kompass Norden spürt.

Der Boden führt ihn. Die B?ume teilen sich, oder es sieht so aus.

Die Sporen dünnen aus, als er sich dem Lagerrand n?hert, und der Schein sinkt auf das Grundleuchten der Pilze an den Randb?umen.

Es d?mmert. Dünnes graues Licht sickert durchs Kronendach und macht den Nebel über dem See zu Gaze.

Das Feuer ist Glut. Vier Schlafs?cke liegen im Ring um die Feuerstelle, drei davon belegt: Jonah und Derek ineinander verschlungen in einem, Mason allein in seinem, das Beil noch daneben, Nolan in seinem, das Feldtagebuch unter der Hand wie ein Talisman.

Nolan ist der, der wach ist.

Er setzt sich auf, als Theo die Lichtung betritt.

Seine graugrünen Augen sind scharf im Morgenlicht, und sie mustern Theo mit der systematischen Aufmerksamkeit, die er allem Lebendigen entgegenbringt.

Theo sieht Nolans Blick vom Gesicht zur Brust wandern und weiter zu den verblassenden bernsteinglühenden Spuren auf seiner Haut, dunkler jetzt als auf der Lichtung, aber immer noch sichtbar, und sie zeichnen jede Stelle nach, an der Splints K?rper seinen berührt hat.

?Theo.“ Nolans Stimme ist leise. Beherrscht. Die Stimme eines Mannes, der sich mit beiden H?nden zusammenh?lt. ?Bist du, geht’s dir gut?“

Theo steht am Rand des Lagers. Barfu?. Ohne Shirt. Die Hose hochgezogen, aber nicht geschlossen. Saft noch klebrig an den Innenschenkeln. Leuchtend.

Er grinst.

Es ist dasselbe Grinsen, das er tr?gt, seit er fünfzehn war und hinter dem 7-Eleven ein M?dchen geküsst und entdeckt hat, dass die Welt gr??er und seltsamer und besser ist, als irgendwer ihm gesagt hatte. Das Grinsen, das sagt: Ich war irgendwo, wo ihr noch nicht wart, und es war alles.

Mason rührt sich. ?ffnet die Augen. Sieht Theo und den Schein und das Grinsen, und sein Gesicht tut etwas Kompliziertes, Angst und Wut und darunter etwas, das er lieber stirbt, als zu benennen.

Jonah und Derek l?sen sich voneinander, setzen sich auf. Dereks Arztaugen gehen direkt zu den leuchtenden Mustern. ?Was, Theo, deine Haut. Das sind bernsteinglühende Spuren. Wie ist das, das dürfte mit menschlicher Haut überhaupt nicht –“

?Derek.“ Theo schneidet ihm das Wort ab. Nicht gemein. Z?rtlich. Z?rtlich, wie man es ist, wenn man die andere Seite gesehen hat und wei?, dass keine Diagnose sie berühren wird. ?Es ist kein Befund.“

?Was ist es dann?“

Theo sieht sie an. Alle vier. Seine Freunde.

Seine Leute. Wie sie in ihren Schlafs?cken sitzen, in der grauen D?mmerung, an einem toten Feuer, am Rand eines Waldes, der auf eine Weise lebendig ist, die keiner von ihnen sich vor drei Tagen vorgestellt hat.

Mason mit seinem Beil und seinem Entsetzen.

Derek mit seinen Fragen. Jonah mit seinem ruhigen, offenen Gesicht.

Nolan mit seinem Feldtagebuch und seiner Trauer und seinem Bedürfnis zu verstehen.

?Das müsst ihr fühlen“, sagt Theo.

Niemand sagt etwas.

Das Kronendach rührt sich, langsam und weit. Der See schl?gt an Fels. Im tiefen Wald, tief zwischen den dunklen Fichten, ?ffnen sich goldene Blicke. Drei Paare. Wartend.

Und unter ihren Fü?en, unter dem Lager, unter dem See und der Karwand und den Wurzeln jedes Baums im Schwarzwald, summen die F?den.

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