KAPITEL 7 #2
Keine Frage. Keine Bitte um Erlaubnis. Eine Tatsachenfeststellung, vorgetragen mit der leisen Sicherheit von jemandem, der eine Entscheidung getroffen hat, die alles andere rückg?ngig macht.
?Okay“, sagt Nolan, und seine Stimme bricht auf der zweiten Silbe.
Jonahs Mund findet seinen im Dunkeln.
Es ist nicht dr?ngend. Es ist nicht hektisch.
Es ist nicht der verzweifelte Zusammensto?, den die Sporen seit zwei Tagen einf?deln.
Es ist langsam. Es ist eine Frage, mit geschlossenen Lippen gestellt und mit dem sanftesten ?ffnen beantwortet, dem behutsamsten Gleiten, und Nolan macht einen Laut an Jonahs Mund, den er nie wird beschreiben k?nnen, weil er in einem Register unterhalb der Sprache lebt.
Seine Hand kommt hoch und packt Jonahs Shirt vorn, und er h?lt sich fest, weil der Boden weg ist. Die sorgf?ltige Architektur seines Lebens ist weg.
Er ist im freien Fall, und Jonah f?llt mit ihm, und das einzig Feste im Universum ist der Druck von Jonahs Lippen, die W?rme seines Atems, sein Geschmack: Zeder und etwas Dunkleres, etwas Grünes.
Sie l?sen sich. Zwei Zentimeter. Ihre Münder sind noch nah genug, um Luft zu teilen.
?Das“, sagt Nolan, ?waren nicht die Sporen.“
?Nein.“ Jonahs Hand zittert noch immer in seinem Nacken. ?Das war ich.“
Nolan küsst ihn wieder. H?rter diesmal. Er ist fertig damit, vorsichtig zu sein.
Er war zehn Jahre vorsichtig, und es hat ihn alles gekostet, und der Wald und seine Chemie haben ihm den Mechanismus weggenommen, mit dem er sich einreden konnte, vorsichtig sei dasselbe wie sicher.
Seine Hand gleitet von Jonahs Shirt zum Kiefer, zum Kieferwinkel, zu der Stelle hinter dem Ohr, wo die Haut dünn und hei? ist und Jonahs Puls h?mmert.
Jonah st?hnt in seinen Mund. Tief, vibrierend, und Nolan schluckt den Laut und will mehr davon.
Er rutscht auf dem Felsen n?her, ihre Knie sto?en zusammen, und dann legt sich Jonahs Arm um seine Taille und zieht, und Nolan sitzt in seinem Scho?.
Rittlings auf ihm. Auf einem flachen Felsen am Ufer eines Sees, in dem Priester D?monen ertr?nkt haben, unter einem Himmel aus kalten Sternen, in einem Wald, der sie beide auf eine Art umbaut, die keiner von ihnen ganz versteht.
?Das ist Wahnsinn“, haucht Nolan an Jonahs Kehle.
?Ich wei?.“
?Wir k?nnen nicht –“
?Wir k?nnen. Wir tun es schon.“
Jonahs H?nde liegen auf Nolans Hüften, halten ihn fest, und der Druck seiner Finger durch den dünnen Stoff der Wanderhose ist eine Art Sprache.
Die Sporen haben jedes Nervenende zu einem Mikrofon gemacht, jeden Quadratzentimeter Haut zu einem Empf?nger, und wo Jonahs H?nde liegen, ist das Signal am lautesten.
Nolan spürt den eigenen Herzschlag in den Z?hnen.
Er lehnt sich weit genug zurück, um Jonahs Gesicht zu sehen.
Im Dunkeln, mit dem schwachen Bernsteinlicht in den sporenges?ttigten Iriden, sind Jonahs Augen fast golden.
Seine Lippen sind nass. Er sieht ver?ngstigt und sicher aus, beides zugleich, so wie Menschen aussehen, wenn sie von einer Kante treten, auf der sie zu lange gestanden haben.
?Ich liebe dich“, sagt Nolan. ?Ich liebe dich seit der zweiten Woche des zweiten Studienjahrs, als du mir Kaffee ins Labor gebracht hast, weil du dir gemerkt hattest, dass ich durchmache, und auf den Becher stirb nicht, Streber geschrieben hast. Ich liebe dich jeden Tag seitdem.
Ich habe dich durch jede Freundin geliebt und durch jedes Rugbyspiel und durch jedes Mal, wenn du mich umarmt und zu schnell losgelassen hast. Ich habe dich so vollst?ndig und so lange geliebt, dass ich nicht wei?, wer ich ohne das bin. “
Jonahs H?nde schlie?en sich um seine Hüften, fest genug für blaue Flecken.
?Sag es noch mal.“
?Ich liebe dich.“
Jonah hebt ihn hoch: steht auf, hebt, die mühelose K?rperlichkeit eines Mannes, der gebaut ist wie eine Wand, und legt ihn ins Moos am Ufer.
Der Boden ist weich und warm und lebendig.
Nolan spürt seinen Puls durch die Schultern, die langsame Systole und Diastole der F?den unter der Erde, und es fühlt sich an wie ein zweiter Herzschlag, der sich auf seinen einschwingt.
Jonah beugt sich über ihn. Die Unterarme links und rechts von Nolans Kopf aufgestützt.
Ihre Hüften liegen aufeinander, und Nolan spürt ihn durch zwei Lagen Stoff, hart, ganz hart, und das Wissen, dass Jonah hart ist für ihn, für ihn, nach zehn Jahren Hinsehen und Wollen und Nie.
Nolan b?umt sich auf. Instinkt. Seine Hüften mahlen nach oben, und Jonahs Atem stockt, und der Laut ist so roh, so ungeschützt, dass Nolan es noch einmal tut.
?Warte“, sagt Jonah. Sein Kiefer ist hart. Seine Arme zittern. ?Ich will. Ich muss –“
?Was?“
?Ich muss das richtig machen. Nicht schnell. Nicht wie, nicht wie das, was mit den anderen passiert. Das hier muss echt sein.“
Nolan greift hoch und nimmt Jonahs Gesicht in beide H?nde. ?Es ist echt.“
?Woher wei?t du das?“
?Weil ich das wollte, bevor es die Sporen gab. Vor Deutschland. Vor allem.“
Jonah l?sst den Kopf sinken. Seine Stirn liegt an Nolans Schlüsselbein, und sein Atem ist hei? und ungleichm??ig an Nolans Brust, und er bleibt so, zitternd, lange.
Nolan legt die Arme um Jonahs Schultern und h?lt ihn, und das Halten ist inniger als alles, was folgen wird.
Zwei M?nner, die ein Jahrzehnt umeinander gekreist sind und endlich in den Mittelpunkt fallen.
Als Jonah den Kopf hebt, sind seine Augen nass.
?Okay“, sagt er. ?Okay.“
Er küsst Nolans Kehle. Offener Mund, langsam, die Zunge an der Sehne, und Nolans Rücken hebt sich aus dem Moos.
Die Empfindlichkeit ist überw?ltigend. Die Sporen haben seine Haut in eine Verschw?rung gegen seine Selbstbeherrschung verwandelt.
Aber unter der chemischen Verst?rkung liegt etwas, das kein Pilznetz herstellen kann: das genaue, verheerende, unersetzliche Wissen, dass das Jonah ist. Dass es Jonahs H?nde sind, die ihm das Shirt über die Rippen ziehen, über den Kopf, ins Moos fallen lassen.
Dass es Jonahs Mund ist auf seinem Brustbein, seiner Magengrube, dem Hüftkamm, wo der Muskel nach innen schneidet.
?Herrgott“, flüstert Nolan. Seine H?nde sind in Jonahs Haar. ?Jonah.“
?Ich habe daran gedacht.“ Jonahs Stimme an seinem Bauch. Der Atem hei? auf der dunklen Haarspur unter dem Nabel. ?Jede Nacht diese Woche. Vor den Sporen. Am Flughafen. Im Flugzeug. Im Bus. Ich habe dich immer wieder angesehen und gedacht. Wie das wohl w?re. Wie du klingen würdest.“
Nolans Schwanz drückt gegen den Hosenbund, und er ist so hart, dass es wehtut, ist es seit Tagen, wie es sich anfühlt, aber der Schmerz hat jetzt einen Namen, und der Name ist derselbe, der er immer war.
?Find’s raus“, sagt Nolan.
Jonah macht ihm die Hose auf. Zieht sie herunter, vorsichtig, über die Hüften, die Oberschenkel, weg.
Die Nachtluft trifft Nolans Haut und ist warm, unm?glich warm, und das Moos unter ihm ist warm und der Boden ist warm und Jonahs H?nde sind warm, w?hrend sie die Linien seines K?rpers nachziehen, konzentriert wie ein Mann, der sich einen K?rper einpr?gt, den er nie vergessen will.
?Du zitterst“, sagt Jonah.
?Ich zittere seit zehn Jahren.“
Jonah lacht. Leise. Zerst?rt. Er zieht sich das Shirt aus, und Nolan sieht ihn, sieht ihn wirklich, im Dunkeln, die breite Architektur seiner Brust, wie seine Schultern rollen, als er sich herunterbeugt, die goldbraune Haut, der die Sporen einen schwachen Schimmer gegeben haben, wie Moderholz leuchtet.
Er ist das Sch?nste, was Nolan je gesehen hat, und Nolan ist Biologe und hat sein Berufsleben mit dem Studium von Sch?nheit verbracht, und nichts davon (nicht die bernsteinglühenden Buchten, nicht die blühenden Wüsten, nicht die Myzelnetze, die unter Ultraviolett aufleuchten wie St?dte) nichts davon kommt heran an das, wie Jonah gerade aussieht, halb ausgezogen und zitternd und endlich, endlich seiner.
?Komm her“, sagt Nolan und zieht ihn herunter.
Haut auf Haut. Die ganze L?nge ihrer K?rper aneinandergedrückt.
Nolan schlingt die Beine um Jonahs Hüften, und Jonah st?hnt, kehlig, aus dem Ansatz seiner Kehle, und schiebt nach vorn.
Die Reibung ist vernichtend. Schwanz an Schwanz durch die dünne Barriere aus Jonahs Wanderhose und Nolans Shorts, und Nolan sieht Sterne, die nichts mit dem Himmel zu tun haben.
?Aus“, sagt Nolan. Zerrt an Jonahs Bund. ?Zieh sie aus.“
Jonah zieht sich aus. Effizient, ohne Anmut, tritt die Hose irgendwohin ins Dunkel.
Und dann sind sie nackt zusammen im Moos am schwarzen See, zwei K?rper, die einander ein Jahrzehnt umkreist haben und sich endlich überall gleichzeitig berühren, und die Empfindung ist so scharf, dass Nolans Sicht an den R?ndern wei? wird.
Jonahs Hand schlie?t sich um sie beide. Seine Hand ist gro? genug (Rugbyspielerh?nde, Physiotherapeutenh?nde, H?nde, die Anatomie kennen, die Druck und Griff kennen und die genaue Lage jedes Nervs), und das Gefühl von Jonahs Schwanz an seinem, hei? und hart und glitschig vom Lusttropfen, gehalten im K?fig von Jonahs Faust, bringt Nolan dazu, seinen Namen in einem Register zu sagen, von dem er nicht wusste, dass er es hat.
?Da“, haucht Jonah. ?Das wollte ich h?ren.“