KAPITEL 7 #3

Er reibt sie zusammen. Langsam. Vernichtend.

Sein Daumen f?ngt bei jedem Aufw?rtszug die Eichel von Nolans Schwanz, und Nolans Hüften zucken hoch und seine H?nde krallen sich in Jonahs Schultern, die N?gel graben sich ein, weil die Lust sich potenziert.

Die Sporen verst?rken alles, jede Berührung ist zehn Berührungen, jedes Nervenende ein Draht, der Strom tr?gt, der nirgendwohin kann au?er durch ihn hindurch.

?Sieh mich an“, sagt Jonah.

Nolan ?ffnet die Augen. Er hatte nicht gemerkt, dass er sie zugemacht hatte.

Jonahs Gesicht ist über seinem, nah genug, um die Wimpern zu z?hlen, und sein Ausdruck ist offen und roh und ?ngstlich und sicher, ein Mann, der in den Trümmern des Lebens steht, das er geplant hatte, und sich stattdessen für das entscheidet, das er will.

?Ich sehe dich“, sagt Nolan. ?Ich hab dich immer gesehen.“

Jonah küsst ihn. Tief und langsam und gründlich, die Zunge im Takt seiner Hand, und Nolan kommt: pl?tzlich, vollst?ndig, sein Orgasmus wird aus ihm herausgezogen wie ein Faden von einer Spule, sein ganzer K?rper verkrampft sich und sein Mund ist offen an Jonahs, und der Laut, den er macht, ist Jonahs Name, in Silben zerbrochen, die sich nicht wieder zusammensetzen.

Jonah folgt ihm. Sekunden sp?ter. Seine Hand zieht sich zusammen, seine Hüften stottern, und er kommt hei? und dick zwischen ihnen, das Gesicht in Nolans Hals gepresst, und der Laut, den er macht, ist kein Name, sondern ein Schluchzen. Oder beides. Es ist beides.

Sie liegen im Moos. Atmen. Der See ist schwarz und still.

Die Karw?nde halten sie wie hohle H?nde.

Der Wind geht durch zehntausend Fichten in einem langsamen, lebendigen Rauschen, und unter ihnen dr?hnen die F?den.

Nolan spürt es durch die Wirbels?ule, eine Frequenz knapp unterhalb der H?rschwelle, als wüsste der Wald, was gerade geschehen ist, und w?re zufrieden.

Jonah hat sich nicht bewegt. Sein Gesicht liegt noch in Nolans Hals. Seine Hand liegt noch zwischen ihnen, jetzt gelockert, klebrig, und sein Atem kommt in St??en, die keine Schluchzer sind, aber auch nicht weit davon entfernt.

Nolan f?hrt ihm mit den Fingern durchs Haar. Wieder und wieder. So, wie man etwas Wildes beruhigt. Etwas Ver?ngstigtes.

?Bleib“, flüstert Nolan.

?Wohin sollte ich gehen?“

?Nach Hause. Portland. Claire. Das Leben, das du –“

?Das ist nicht mein Leben.“ Jonah hebt den Kopf. Sein Gesicht ist nass. Seine Augen sind ruiniert und leuchtend und ehrlicher, als Nolan sie je gesehen hat. ?Das hier ist mein Leben. Hier. Du.“

Nolan zieht ihn wieder herunter. H?lt ihn an seine Brust. Ihre Herzschl?ge finden einander, synkopieren, verschmelzen, und unter ihnen summt der Wald seine tiefe und uralte Frequenz, und der schwarze See verschluckt nichts, weil es heute Nacht nichts zu ertr?nken gibt.

Sie liegen ineinander, bis die Sterne über ihnen weiterrücken. Sie reden nicht. Sie müssen nicht. Sie haben zehn Jahre damit verbracht, Stille mit L?rm zu füllen, um zu verdecken, was die Stille tats?chlich enthielt, und jetzt darf die Stille halten, was sie immer gehalten hat, und es ist genug.

Es ist genug.

Nolans Hand liegt auf Jonahs nacktem Rücken, f?hrt den Grat der Wirbels?ule nach, und er denkt an Myzel.

Daran, wie ein einziges Netz sechzehn Hektar überspannen und zehntausend B?ume verbinden kann, wie es N?hrstoffe und Warnungen und das Leben selbst durch Kan?le schickt, die von der Oberfl?che aus unsichtbar sind.

Daran, dass der gr??te Organismus der Erde kein Wal ist und kein Mammutbaum, sondern ein Pilzgeflecht in Oregon: fast tausend Hektar Armillaria ostoyae, ein einziger Organismus, verkleidet als Wald.

Er denkt daran, wie lange er schon mit Jonah verbunden ist, durch Kan?le, die von der Oberfl?che aus unsichtbar sind. Signale weitergeben. Bedarf weitergeben. Ein Netz aus zweien, über ein Jahrzehnt gespannt, verkleidet als Freundschaft.

Die Sporen haben das Netz gefunden. Mehr haben sie nicht getan. Sie haben es nicht gebaut. Sie haben es beleuchtet.

Jonahs Atem wird langsamer. Tiefer. Er schl?ft auf Nolans Brust ein, nackt im Moos, am Ufer eines Sees, in dem D?monen hausen, in einem Wald, der ihre Biologie auf eine Art umschreibt, die Nolans wissenschaftlicher Verstand nicht mehr einzuordnen versucht.

Nolan h?lt ihn und sieht den Sternen zu und schl?ft nicht.

Er ist der, der sich kümmert. Er war immer der, der sich kümmert. Aber heute Nacht kümmert sich der Mensch, um den er sich kümmert, zum ersten Mal auch um ihn, und die Gegenseitigkeit ist so fremd und so vollkommen, dass sie ihm in der Brust sitzt wie ein neues Organ, schlagend.

Irgendwo im Wald geht Mason. Nolan spürt die Erschütterung seiner Schritte durch die F?den, schwer, wütend, ?ngstlich. Er müsste sich Sorgen machen. Er wird sich Sorgen machen. Morgen.

Heute Nacht gibt es nur das. Den schwarzen See. Den warmen Boden. Jonahs Herzschlag an seinen Rippen.

Zehn Jahre.

Es hat zehn Jahre gebraucht und einen Wald voll uralter Sporen und einen See voll ertr?nkter D?monen, aber Nolan Hale h?lt endlich das, wonach zu greifen er Angst hatte, und er l?sst nicht los.

Die B?ume atmen ihre langsame, grüne Geduld aus.

Der See liegt still.

Und irgendwo tief unter dem Moos und den Wurzeln und dem Gneis spürt eine Intelligenz, ?lter als die Sprache, die Ver?nderung im Netz, und sie ist zufrieden.

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