KAPITEL 13 #2
Nolan zittert, als Moder die H?nde endlich freigibt.
Sein Schwanz ist hart, ist es, seit Moder zum ersten Mal die Innenseite seines Handgelenks berührt hat, und die Erregung ist nicht wie der Sporendunst der letzten Tage, diffus, allgemein, auf alle gerichtet.
Diese hier ist spezifisch. Das hier sind Moders H?nde auf seinen H?nden und sein K?rper, der diese klinische, methodische Berührung als das Erotischste deutet, was ihm je passiert ist.
Weil es das ist. Es ist das Erotischste, was ihm je passiert ist. Studiert zu werden.
Gekannt zu werden. Nicht von jemandem, der ihn will, wie Jonah ihn will, mit Liebe und Schuld und einem Jahrzehnt Unterdrückung, sondern von einem Organismus, der sich seinem K?rper n?hert, wie er sich einer neuen Art n?hert. Mit Strenge. Mit Staunen.
Moder geht zu Nolans Unterarmen über. Schiebt die ?rmel hoch.
Seine Holzfinger fahren die Muskeln nach, finden die Sehnen, drücken in die weiche Innenfl?che, wo die Venen blaugrün unter blasser Haut laufen.
Nolan gibt einen Laut von sich. Moder h?lt inne.
Seine Augen gehen ins Violett, tief, ges?ttigt, und dann wiederholt er die Berührung, langsamer, und Nolan gibt den Laut wieder von sich.
?Du machst Experimente“, sagt Nolan, halb lachend, halb zerst?rt. ?Du erhebst Ausgangswerte und dann, ah –“
Moders Ranken bewegen sich.
Aus den Fingerkuppen. Dünne Ranken, hauchfein, wei? und schwach leuchtend, treten unter den N?geln hervor und streichen über Nolans Haut.
Sie dringen nicht ein. Sie erkunden. Sie ziehen Nolans Unterarme hinauf wie die denkbar sanfteste Form von Berührung, tausend winzige F?den, die seine Oberfl?che kartieren.
Jeden Haarbalg. Jede Pore. Die feinen H?rchen auf seinen Armen stellen sich in ihrem Kielwasser auf, und Nolan keucht, weil die Empfindung ist. Er hat kein Wort dafür.
Es ist kein Kitzeln. Es ist kein Streicheln.
Es ist Gelesenwerden. Seine Haut als Text und Moders F?den als das empfindlichste Instrument, das je zur Deutung gebaut wurde.
?Herrgott“, haucht Nolan.
Moder legt den Kopf schief. Seine Augen zyklen: Bernstein, Grün, Violett.
Die hauchfeinen Ranken erreichen Nolans Schultern und breiten sich über die Schlüsselbeine, tauchen unter den Hemdkragen.
Wo sie nackte Haut berühren, blüht W?rme auf.
Moders bernsteinfarbener Saft, gold, perlt an den Spitzen der F?den.
Er ist warm. W?rmer als seine Holzhaut. Und wo er Nolans Fleisch berührt.
Euphorie. Nicht die breite, dumpfe Euphorie der Sporen. Gezielt. Genau. Ein neurochemisches Skalpell. Nolans Muskeln l?sen sich vom Sch?del bis zu den Fü?en in einer kaskadierenden Welle, und er schwankt, und Moder f?ngt ihn auf.
Beide H?nde an Nolans Taille. Sie heben ihn, kaum, setzen ihn so ab, dass seine blo?en Fü?e ganz auf dem erleuchteten Waldboden stehen, und jetzt kann Nolan Moders Herzschlag durch den Boden spüren.
Kein Herzschlag. Ein Rhythmus. Langsamer als der menschliche.
Ungeheuer. Der ganze Waldboden pulsiert damit.
* * *
Nolans Hemd geht aus. Er erinnert sich nicht daran, es ausgezogen zu haben.
Vielleicht hat Moder es getan. Diese H?nde sind geschickt, zu au?erordentlicher Pr?zision f?hig trotz ihrer Gr??e.
Die Waldluft trifft Nolans nackte Brust, und dann treffen Moders Ranken sie, und Nolan h?rt auf, in S?tzen zu denken.
Ranken breiten sich über seinen Oberk?rper.
Hunderte. Sie kartieren seine Brustmuskeln, die Rippen, die flache Ebene des Bauchs.
Sie finden seine Brustwarzen und umkreisen sie, und Nolan w?lbt sich in nichts hinein, weil Moder drei?ig Zentimeter entfernt steht, sein Gesicht studiert, ihn mit nichts berührt als diesen zarten F?den und mit diesen wechselnden, farbwandelnden Augen zusieht, wie Nolans K?rper antwortet.
Datenerhebung. Das ist es. Moder baut eine vollst?ndige Karte von Nolans Erregungsreaktionen, bevor er auf irgendeine davon eingeht, und die methodische Geduld darin macht Nolan wahnsinnig.
?Bitte“, sagt Nolan. Er hat noch nie um etwas gebettelt. ?Bitte, ich brauche –“
Moder tritt n?her. Zuerst trifft ihn der Temperaturunterschied.
Moders K?rperw?rme, die gegen seine nackte Brust strahlt.
Dann die Textur: Holzhaut auf Menschenhaut, rau und warm.
Moders H?nde umspannen Nolans Brustkorb, die Daumen treffen sich am Brustbein, die Finger greifen um zur Wirbels?ule.
Er ist so gro?, dass seine H?nde Nolans Oberk?rper fast umschlie?en.
Moder beugt sich hinab. Bringt sein Gesicht dicht an Nolans Hals. Der Mund ?ffnet sich, dieser zu weite dunkle Mund, und er atmet gegen Nolans Kehle, und der Atem ist warm und sü? und tr?gt Sporen, so konzentriert, dass Nolans Sehen für eine volle Sekunde verwei?t.
Als es aufklart, liegt er am Boden. Der Rücken auf dem wurzeldurchzogenen Waldboden, die F?den lodern unter ihm, sein ganzer K?rper mit dem Wurzelsystem verbunden, und er spürt Moder durch den Boden und durch die Luft und durch die Ranken, die noch über seine Brust geflochten sind.
Moder kniet über ihm. Die Konsolenpilze an seinen Armen haben dunkler angelaufen.
Erregungsreaktion, notiert Nolans Gehirn, selbst jetzt, selbst hier, weil er ein Biologe ist, der dem wichtigsten biologischen Ereignis der Menschheitsgeschichte zusieht und nicht aufh?ren kann zu beobachten, auch wenn sein K?rper nach mehr Kontakt schreit.
?Deine Stoffwechselindikatoren ver?ndern sich“, sagt Nolan, und seine Stimme ist rau, gebrochen, aber die Worte sind pr?zise.
?Der Pilzwuchs an deinen Armen, die Farbverschiebung deutet auf erh?hte Durchblutung hin.
Oder was auch immer bei dir dem Blutfluss entspricht.
Safttransport, vielleicht. Du bist erregt. “
Moders Augen rasten auf seinen ein. Alle drei Farben gleichzeitig, Bernstein umringt von Grün umringt von Violett, unm?glich, ein Chromatophorenspiel, zu dem kein terrestrischer Organismus imstande sein sollte, und sie sind sch?n, sie sind das Sch?nste, was Nolan je gesehen hat.
Moder senkt sich herab.
* * *
Die Rindentextur von Moders K?rper auf Nolans nackter Haut ist Information.
Gerippt, gefurcht, jede Rippe vielleicht zwei Millimeter hoch, unregelm??ig verteilt, rauer an Brust und Schultern, glatter an den Innenseiten der Arme und, wie Nolan entdeckt, am Bauch, an den Innenschenkeln, an den Stellen, wo Reibung einem biologischen Zweck dient.
Moders Schwanz drückt gegen Nolans Hüfte.
Nolans Hand findet ihn ohne Entscheidung, Biologeninstinkt, das Bedürfnis zu berühren und einzuordnen.
Er ist proportional. Dick. Dieselbe Holztextur, aber die Rippen laufen hier in spiraligen Mustern, und die Oberfl?che ist glitschig von diesem bernsteinfarbenen Saft, warm und z?h, und als Nolan die Hand darum schlie?t (nicht ganz, er reicht nicht ganz herum), kommt der Saft an seine Handfl?che und die Euphorie schl?gt wieder zu, gezielt, spezifisch, konzentriert auf jede Nervenendigung in seiner Hand.
Nolan ?chzt. Die Hüften zucken ihm hoch.
Moder sieht zu. Passt an. Seine Hand findet Nolans Schwanz durch die Hose, und die Berührung ist erkundend, dieselbe pr?zise Druckprüfung, die er an Nolans H?nden vorgenommen hat, jetzt durch Stoff angewandt, um seine Form zu lernen.
Nolan nestelt am Gürtel, und Moder wartet, geduldig wie Geologie, bis Nolan von der Taille abw?rts nackt ist, und dann schlie?en sich diese langen Finger um ihn.
Die Textur. Gott, die Textur. Rau in der einen Richtung, glatt in der anderen, und Moder hat das nach ungef?hr drei Zügen begriffen und stellt den Griff so um, dass die glatte Richtung mit der Bewegung l?uft und die raue beim Aufw?rtszug f?ngt, und Nolans Hüften heben sich vom Boden.
?Das ist, du hast in Echtzeit nachjustiert, den Reibungskoeffizienten –“
Moders freie Hand legt sich flach auf Nolans Brust. über das Herz.
Die F?den aus seinen Fingern breiten sich aus und sinken ein, nicht in Nolans Haut, sondern in den Schwei? darauf, in die Feuchtigkeit, und leiten Nolans Herzrhythmus direkt in Moders Handfl?che.
Nolans Herz h?mmert bei 140, und Moder spürt jeden einzelnen Schlag, und er synchronisiert seine Züge damit, und Nolan h?rt auf zu reden, weil die Sprache ihn verlassen hat.
Das Pilzgeflecht am Boden lodert. Nolan spürt, wie die Verbindung verarbeitet, wie seine Erregung in den Boden geleitet, durch das Wurzelsystem übertragen wird, und irgendwo da drau?en wissen die anderen Waldschrate es.
Der ganze Wald wei? es. Nolan Hale, Wildbiologe, wird von einem Organismus auseinandergenommen, der die Mechanismen seines K?rpers besser versteht, als ein menschlicher Partner es je k?nnte, weil dieser Organismus seit Jahrtausenden S?ugetierreaktionen beobachtet.
Moder l?sst Nolans Schwanz los. Nolan winselt, tats?chlich winselt, ein Laut, den er sich noch nie hat machen h?ren.
Aber Moder verlagert sich, arbeitet sich Nolans K?rper hinab, diese wechselnden Augen studieren ihn, und sein Mund ?ffnet sich weit genug, um Nolan aufzunehmen, und das Innere dieses Mundes ist hei?, nass, dunkel, glatt wie polierter Stein, und Nolans H?nde finden Moders Kopf und krallen sich in den moosartigen Wuchs dort, weich wie Flechte zwischen den Fingern.
Moders Zunge, flach, breit, strukturiert mit einer Maserung, die sich anfühlt wie die feinste Sorte Rinde, arbeitet an Nolan mit derselben methodischen Pr?zision wie seine H?nde.
Der Druck variiert. Das Tempo variiert. Der Winkel variiert.
Er liest Nolans Reaktionen über jeden Kontaktpunkt, Herzschlag, Muskelkontraktionen, Hautleitf?higkeit, das unwillkürliche Anspannen der Schenkel, und optimiert jede Variable.