KAPITEL 14 #3

Sein K?rper summt. Es gibt kein anderes Wort.

Eine anhaltende Schwingung, die nicht mehr von au?en kommt.

Sie ist verinnerlicht worden, eingebaut, in seine Zellfunktion eingewoben wie ein Virus, das sich ins Genom des Wirts schreibt.

Der Boden vibriert, und Mason vibriert, und die Frequenzen laufen aufeinander zu, und Mason wei?, was das hei?t, auch ohne Nolans wissenschaftliches Vokabular.

Es hei?t Synchronisation. Es hei?t Resonanz.

Es hei?t, zwei schwingende Systeme n?hern sich derselben Frequenz an, und wenn sie sich treffen.

Er wird sie sich nicht treffen lassen.

Er hat die Disziplin eines Feuerwehrmanns.

Er kann eine Linie halten, wenn jeder Instinkt sagt: lauf.

Er hat in R?umen gestanden, so hei?, dass die Farbe von den W?nden blubberte und die Luft ihm durch die Maske die Lunge verbrannte, und er hat sich nicht bewegt, hat nicht gezuckt, hat das Strahlrohr ruhig gehalten und seine Arbeit gemacht. Diese Linie kann er halten.

Kann er.

Vom Waldrand her, nord?stlich, tiefer im tiefen Wald, sieht etwas zu.

Mason sieht es nicht. Er muss es nicht sehen.

Er spürt die Aufmerksamkeit wie eine k?rperliche Kraft, wie das Stehen vor einem offenen Schmelzofen, die Hitze auf Gesicht und Brust ein Druck, gegen den man sich lehnt oder von dem man weggeschoben wird, und Mason lehnt sich dagegen.

Jeder Muskel gestemmt. Fü?e verankert. Er wird nicht bewegt werden.

Die Aufmerksamkeit h?lt. Stetig. Ungeheuer.

Dann zieht sie sich zurück. Nicht weg. Mason spürt das Zittern noch, spürt die kreisende Anwesenheit noch.

Aber zurückgenommen. Raum gegeben. Hundert Meter dunkler Wald zwischen ihnen, und Mason zittert, zittert schlimm, der ganze K?rper bebt wie bei einem Mann, den man aus einer Unterkühlung gezogen hat, nur dass ihm nicht kalt ist. Er brennt. Er brennt seit Tagen.

Er legt den Kopf in die H?nde. Z?hlt seine Atemzüge.

Der Boden summt. Tief. Gleichm??ig. Geduldig.

Kern wartet.

* * *

Wieder Nacht. Die zweite Nacht ohne Schlaf. Mason sitzt am toten Feuer. Alle anderen sind fort, Zelte, Wald, See, wohin auch immer sie jetzt gehen, wenn es dunkel wird und die Sporen dichter werden und der Ruf laut wird. Mason sitzt allein und sieht auf den Waldrand und rührt sich nicht.

Von hier aus sieht er den Schein. Das Pilzgeflecht, gleich jenseits seines Zehn-Meter-Rings aus dunklem Boden. Glühend. Derselbe 1,2-Sekunden-Takt, den Nolan beschrieben hat, aber in Masons N?he hat sich der Rhythmus verschoben. Langsamer. Schwerer. Ein anderer Herzschlag. Ein gr??erer.

Er z?hlt den Puls. Ein Schlag alle 2,4 Sekunden.

Wenn der Standardrhythmus Splint ist oder Moder, dann geh?rt dieser langsamere zu einem K?rper, der gr??er ist und ?lter.

Zu einem K?rper, dessen Kreislauf so tief und so weit l?uft, dass jeder Schlag doppelt so lange braucht, um die Runde zu schlie?en.

Er stellt sich das Geflecht unter sich vor.

Kilometer davon. Tausende Kilometer vielleicht, unter jedem Meter des tiefen Waldes durchgef?delt, jeden Baum verbindend, jede Wurzel, jeden Organismus.

Und im Zentrum davon, oder nicht im Zentrum, weil solche Systeme keine Zentren haben, sie haben Knoten, und Kern ist der gr??te Knoten, Kern, uralt und ungeheuer und unertr?glich geduldig, sitzt im Dunkeln und liest Masons Herzschlag durch den Boden.

Wei?, dass er wach ist.

Wei?, dass er Angst hat.

Mason Vogt hat noch nie Angst gehabt. Er ist seit sechs Jahren Feuerwehrmann.

Er ist auf jedes Feuer zugerannt, auf jeden Einsturz, auf jede schreiende Sirene.

Angst ist kein Begriff, den sein K?rper kennt.

Seine Amygdala funktioniert kaum. Er wurde getestet, im Training, Stressimpfung, und der Psychologe hatte gesagt, Ihre Furchtreaktion ist ungew?hnlich niedrig, das ist ein Vorteil in diesem Beruf, aber Sie sollten sich bewusst sein –

Er hat jetzt Angst.

Nicht vor dem Wesen. Nicht vor seiner Gr??e, dem fremden K?rper, der Holzhaut und den glühenden Spalten.

Nicht davor, was es mit ihm machen würde.

Er ist nicht dumm. Er hat Theo heil und leuchtend zurückkommen sehen.

Er hat Nolan mit einem Ausdruck tiefen Friedens wiederkommen sehen.

Was auch immer die Waldschrate tun, es besch?digt nicht.

Er hat Angst davor, es zu wollen.

Denn er will es. Er will es so sehr, dass ihm die Z?hne wehtun und die Augen brennen und die Fingern?gel Sicheln in seine Handfl?chen schneiden und sein Schwanz so hart ist, dass es schmerzt, und in seiner Brust sitzt ein Druck, der nichts mit den Sporen zu tun hat und alles mit drei?ig Jahren, in denen er nichts hereingelassen hat, niemanden an den Muskeln und der Angeberei und der kontrollierten Aggression vorbeigelassen hat, und da drau?en im Wald ist etwas, das gr??er ist als das alles, st?rker als das alles, ?lter und geduldiger als alles, womit Mason sich je zusammengehalten hat.

Und wenn er hingeht, wenn er zu ihm geht, fallen diese Mauern. Alle. Jede einzelne. Und er wei? nicht, wer er ohne sie ist.

Mason Vogt, Feuerwehrmann. Mason Vogt, Kraftsportler. Mason Vogt, der Rudelführer, der Laute, der am meisten trinkt und am h?rtesten drückt und sich niemals, niemals beugt.

Beug dich, und was bleibt?

Der Boden vibriert. Tief. Stetig. Der langsamste Herzschlag im Schwarzwald, der die Zeit in geologischer Geduld z?hlt.

Mason presst die Handfl?chen auf die Erde.

Er zieht sie nicht weg.

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