KAPITEL 17 #3
Splint umkreist Theo und Derek und Jonah.
Die wei?en Blüten auf seinen Unterarmen blühen, Dutzende, ?ffnen sich in Echtzeit, und ihr Duft legt eine neue Schicht in die Luft der Kammer.
Ein Parfüm, sü? und grün und schmerzhaft jung, wie Frühling, der mitten in etwas sehr Altem ankommt.
Er berührt Theos Kn?chel, und Theo b?umt sich vom Moosboden auf.
Er f?hrt Jonah durchs Haar, und Jonah schlie?t die Augen.
Er nimmt Dereks Gesicht in beide H?nde und studiert es, den Kopf schr?g gelegt wie ein Hund, der Musik h?rt, und die Blüten an seinen Schl?fen entfalten sich.
Nolan sitzt im lebenden Moos, der Wald str?mt durch ihn hindurch, und er sieht der Kammer beim Atmen zu.
Das Licht rollt in Wellen über ihm. Die Wurzeln knarren und setzen sich und wachsen.
Er kann sie wachsen h?ren, ein schwaches, ununterbrochenes Ger?usch wie Eis, das sich ausdehnt, wie Knochen, die zusammenwachsen.
Irgendwo im dunklen Randbereich tropft Wasser.
Das subsonische Summen vibriert in seinen Z?hnen.
Sein Feldtagebuch steckt in der Ges??tasche.
Er greift nicht danach. Hat seit Tagen nicht danach gegriffen.
Der Teil seines Gehirns, der katalogisiert und einordnet, l?uft weiter.
Er kann ihn nicht abschalten, wüsste nicht wie, diese Maschinerie ist tragend in seiner Psyche.
Aber sie versucht nicht mehr, das, was er erlebt, auf Datenpunkte herunterzubrechen.
Sie hat stattdessen in einen Modus gewechselt, für den er keine wissenschaftliche Sprache hat.
Zeuge. Das ist das Wort. Das einzige, das passt.
Er wird Zeuge von etwas, das selten geschieht und schon immer geschieht, hier unten im Dunkel unter dem Schwarzwald, in einem lebenden Dom, der über erdgeschichtliche Zeitr?ume hinweg aus sich selbst gewachsen ist. Er wird Zeuge davon, wie der Wald sich vorbereitet, sich zu nehmen, was er braucht, und zu geben, was er hat, und jedes Molekül Luft, das er atmet, sagt ihm dasselbe:
Bleib. Sei hier. Sei ein Teil davon.
Jonah greift wieder nach seiner Hand. Ihre Finger verschr?nken sich. Durch die Berührung, verst?rkt von den F?den unter ihnen, spürt Nolan Jonahs Herzschlag so deutlich wie seinen eigenen. Zwei Rhythmen. Verschiedene Geschwindigkeiten. Und unter beiden der tiefe, langsame Puls der Kammer selbst.
Mason hat sich nicht von der Wurzels?ule wegbewegt.
Seine Augen sind geschlossen. Die H?nde h?ngen ihm locker an den Seiten, die Handfl?chen nach oben im Moos, und das Bernsteinglühen sammelt sich in den offenen H?nden wie Wasser in einer Schale.
Die Wurzel hinter ihm ist gewachsen, tats?chlich gewachsen, in den Minuten, seit er sich hingesetzt hat, um seine Schultern und seinen Hinterkopf zu betten.
Kern beobachtet ihn von der Mitte der Kammer aus.
Geduldig. Vollkommen, erschreckend geduldig.
Derek hat die Augen offen. Er sieht zur Decke, verfolgt die Lichtwellen, und seine Lippen bewegen sich.
Nolan kann nicht h?ren, was er sagt. Z?hlt vielleicht.
Misst Intervalle. Versucht, das Muster des Lichts mit der analytischen Fixierung eines Arztes zu kartieren, w?hrend die Sporen ihn von innen heraus auseinandernehmen.
Die Luft wird noch dicker. Nolan kann sie jetzt schmecken, nicht nur riechen.
Eine Sü?e auf der Zunge, die kein Zucker ist. Etwas Mineralisches und Lebendiges, wie einen Flusskiesel lecken, wie den Mund an die Rinde eines Baums pressen und sie warm finden.
Die Sporen setzen sich auf seiner Haut ab, und seine Haut nimmt sie auf, die Poren ?ffnen sich, die Kapillaren weiten sich.
Er wird aufgenommen, und er nimmt auf, und die Grenze zwischen seinem K?rper und der Kammer verwischt auf zellul?rer Ebene.
Das ist der Raum, den der Schlüssel ?ffnet.
Sie sind jetzt darin.
Und die Tür hat sich hinter ihnen geschlossen. Der Tunneleingang ist noch zu sehen, aber der Sog, der Zug, der sie heruntergebracht hat, ist still geworden. Ersetzt durch eine Stille. Einen angehaltenen Atem. Die Kammer wartet, wie sie schon früher gewartet hat, auf das, was jetzt kommt.
Nolan atmet ein. Die Kammer antwortet, ein tiefes Dr?hnen durch die Wurzeln, synchron mit der Ausdehnung seiner Lungen.
Er sieht Moder an. Moder sieht zurück. Diese unm?glichen Augen, Bernstein, Grün, Violett, wieder Bernstein, halten eine Intelligenz, so alt und so fremd, dass Nolans rationaler Verstand keine Schnittstelle dazu findet, nur am Rand stehen und den Schwindel vor einer Intelligenz jenseits allen Ma?es spüren kann.
Aber sein K?rper kann es. Sein K?rper antwortet l?ngst. Sein K?rper antwortet, seit die erste Spore auf dem Weg durch den tiefen Wald in seine Lungen kam, und er antwortet jetzt mit einer Gewissheit, die Sprache nutzlos macht.
Ja.
Die Kammer wird heller. Die Wurzeln knarren. Das Moos unter ihnen wird noch weicher, formt sich um, und Nolan begreift, durch seine Fü?e, seine Handfl?chen, seine nackte Haut auf dem lebenden Boden, dass die Vorbereitung vorbei ist.
Was auch immer das hier ist.
Wozu auch immer sie hergerufen wurden.
Es f?ngt jetzt an.