KAPITEL 18 #2

Mason ?ffnet die Augen. Sieht hoch.

?Ja“, sagt er. Seine Stimme bricht auf der einen Silbe. ?Ich wei?. Ich wei? es verdammt noch mal.“

Kern l?sst sich herunter. Kniet. Die Kammer zittert unter der Verdr?ngung.

Er ist immer noch gewaltig im Knien, sein Kopf selbst jetzt auf H?he von Masons, die Schultern doppelt so breit, sein K?rper aus schwarzer Holzhaut eine Wand aus lebendem Holz zwischen Mason und dem Rest der Kammer.

Er presst die Stirn an Masons, und der Berührungspunkt lodert auf.

Durch die Verbindung spürt Nolan, wie Mason sich ergibt.

Nicht das explosive, umk?mpfte Ergeben ihrer ersten Begegnung auf der Lichtung oben.

Das war eine Schlacht, und Kern hat sie gewonnen.

Das hier ist anders. Das hier ist Mason, der w?hlt.

Der mit seinem ganzen Selbst w?hlt, im vollen Verst?ndnis dessen, was der Wald verlangt und was er dafür gibt, und die Wahl ist still und vollst?ndig und sie ver?ndert die Atmosph?re der ganzen Kammer.

Das Licht verschiebt sich. Die rollenden Wellen an der Wurzeldecke werden langsamer, synchronisieren sich und pulsieren in einem einheitlichen Rhythmus. Ein Schlag. Zwei. Drei. Wie ein Herz, das geflimmert hat und gerade seinen Sinusrhythmus gefunden hat.

Jede Person und jedes Wesen in der Kammer ist jetzt verbunden.

Nolan kann sie alle durch den Boden spüren.

Theos helle, rücksichtslose Freude; Dereks abgegebene Kontrolle; Jonahs stetige W?rme; Masons geschleifte Mauern; und unter und um und durch alle fünf menschlichen Signale die Waldschrate.

Kerns uralte Tiefe. Moders verwickelte Faszination. Splints eifriges, blühendes Wollen.

Acht Herzschl?ge. Acht Nervensysteme. Ein Geflecht.

* * *

Das Verstehen wird tiefer.

Nolan liegt im Moos, Moder neben ihm. Moders K?rper krümmt sich um seinen, diese pilzhellen Augen zentimeterweit von Nolans Gesicht, Ranken wachsen aus Moders H?nden und zeichnen Muster auf Nolans Brust durch das offene Hemd. Der Boden sagt ihm mehr.

Die Bindung ist dauerhaft.

Nicht im Sinne eines K?figs. Keine Kette.

Ein Samenkorn. Die Sporen, die ihre Lungen, ihr Blut, ihr Lymphsystem in den letzten vier Tagen ges?ttigt haben, werden nie vollst?ndig verschwinden.

Sie werden sich integrieren. Werden Teil der Biologie der M?nner, so wie Mitochondrien Teil jeder Zelle wurden.

Einmal fremd, jetzt unentbehrlich. Die M?nner werden vom Schwarzwald tr?umen.

Lebhafte, sinnliche Tr?ume vom Moos, vom bernsteingrünen Licht, vom subsonischen Summen, von der Hitze.

Tr?ume, wirklicher als das Wachsein. Tr?ume, nach denen sie sich sehnen werden, wie der K?rper sich nach Anstrengung nach Wasser sehnt.

Und sie werden zurückkommen. Gezogen, wie ein Lachs in seinen Geburtsfluss zurückkehrt, gezogen, wie ein Vogel einer magnetischen Linie folgt, die er nicht sehen, der er aber absolut vertrauen kann.

Sie werden den Wald über Ozeane und Kontinente hinweg rufen h?ren, und sie werden antworten, weil das Antworten sich anfühlen wird wie das Richtigste, was sie je getan haben.

Und wenn sie zurückkehren, werden sie wieder hinabsteigen.

In diese Kammer. In dieses Moos. In die Rindenarme, die pilzdurchzogenen Arme, die unm?glichen Arme der Waldschrate.

Und jede Rückkehr wird die Bindung vertiefen und das Kronendach weiter wachsen lassen und den uralten Organismus für eine weitere Spanne von Jahren am Leben halten.

Nolans Gehirn besteht auf der Unterscheidung, selbst w?hrend der Rest von ihm sich in Empfindung aufl?st. Die Tr?ume werden keine Albtr?ume sein.

Sie werden der beste Schlaf sein, den die M?nner je hatten.

Der Zug zurückzukehren wird keine Qual sein.

Er wird Vorfreude sein. Das reinste, unkomplizierteste Verlangen, das einer von ihnen je gefühlt hat: einen Ort zu wollen und mit zellul?rer Gewissheit zu wissen, dass der Ort einen zurückwill.

Was bekommen die M?nner?

Er stellt die Frage durch den Boden. Nicht in Worten. Im Ausschlag der Neugier, den die F?den so mühelos lesen wie Text.

Die Antwort kommt nicht aus dem Boden, sondern von Moder.

Direkt. Moders H?nde rahmen Nolans Gesicht, Holzhandfl?chen an den Wangenknochen, Ranken an den Schl?fen, und die übertragung umgeht den Boden vollst?ndig, flie?t durch Haut-an-Rinde-Kontakt mit einer Klarheit, die Nolan den Atem stocken l?sst.

Er sieht sich selbst. Nicht jetzt. Sp?ter.

In einem Jahr. Er steht in der D?mmerung im Schwarzwald, barfu?, die F?den summen unter seinen Fü?en.

Er spürt die Ruhe in seinem zukünftigen K?rper, das Fehlen jener bestimmten, zersetzenden Einsamkeit, die ihn seit dem Studium bestimmt hat, seit vor dem Studium, seit er als Kind K?fer im Garten katalogisierte, weil lebende Dinge leichter zu verstehen waren als Menschen.

Er sieht Jonah neben sich. Nicht weil die Sporen Liebe hergestellt h?tten, sondern weil die Sporen zehn Jahre Feigheit weggebrannt und die Liebe zurückgelassen haben, die ohnehin da war, freigelegt und unbestreitbar und endlich, endlich ausgesprochen.

Er sieht die anderen. Derek, zu Besuch. Das behutsame L?cheln, das er nie in der Notaufnahme getragen hat, das dem Mann unter dem Arzt geh?rt.

Theo, losgemacht und glücklich zum ersten Mal, seit Nolan ihn kennt.

Mason, der allein zurückkommt, nachts, der in den tiefen Wald geht mit lockeren Schultern und zum ersten Mal in seinem erwachsenen Leben offenen F?usten.

Das ist es, was die M?nner bekommen.

Wahrheit. Das übergriffigste, gro?zügigste Geschenk, das der Wald zu vergeben hat. Keine neue Identit?t. Die ursprüngliche, von aller D?mmung befreit.

* * *

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