KAPITEL 21 #2

?Ich bin hier.“

?Bleib bei mir.“

Moder füllt ihn. Jonahs Schwanz gleitet durch den Saft zwischen ihren K?rpern an seinem entlang.

Jonahs H?nde an seinem Gesicht. Moders Ranken binden sie Brust an Brust wie ein lebendiges Geschirr.

Mason ist kurz davor, Nolan spürt es, dieses zusammenziehende Dr?ngen, übertragen wie eine heranrollende Schockwelle, und Kern grollt eine Vibration, die so tief liegt, dass die Kammerw?nde nachgeben, und Splints Blüten explodieren auf einmal in Blüte, Hunderte wei?er Bl?tter rei?en auf, an seinen Armen, den Schultern, der Kehle.

Mason geht zuerst.

Der Orgasmus bleibt nicht in seinem K?rper.

Er kann es nicht. Nolan fühlt Mason kommen, als gesch?he es im eigenen Fleisch, das Zusammenziehen, das Loslassen, die Kaskade von Empfindung, so heftig, dass sie an Schmerz grenzt, Kerns Rinde an Masons Rücken, die warme N?sse, die unm?gliche Fülle, Masons Schrei aus einer Stelle gerissen, von der er nichts wusste.

Derek ist der N?chste. Sein K?rper biegt sich zwischen Theos Schenkeln und Splints H?nden durch, und das Signal legt sich auf Masons, verst?rkt es, zwei Frequenzen, die zu einer Harmonie zusammentreten, die das Moos auf dem Kammerboden dazu bringt, seine eigene Wolke leuchtender Sporen abzugeben.

Theo. Ein Schrei, der wie Lachen klingt, sein ganzer drahtiger K?rper zuckt in Splints Scho?, die Blüten des Waldschrats werfen Bl?tter auf seine Haut, wo sie glühen und sich aufl?sen.

Jonah. Nolan spürt es zuerst durch ihre aneinandergedrückten Stirnen, den Tsunami, der sich hinter Jonahs Sch?del aufbaut, und dann kommt Jonah zwischen ihren K?rpern, hei? an Nolans Bauch, und seine Augen sind offen, er h?lt sie offen, er h?lt sie auf Nolan, und was darin steht, sind nicht die Sporen.

Was darin steht, steht seit einem Studentenzimmer in Portland vor zehn Jahren darin.

Nolan.

Moders Ranken ziehen sich um seine Brust zusammen, und der Schwanz des Waldschrats trifft die Stelle in ihm, die sein Skelett aus dem K?rper treiben will, und Jonahs Hand schlie?t sich um sie beide und drückt, und im Stromkreis l?uten schon vier andere Orgasmen wie nacheinander angeschlagene Glocken, und Nolan ist die fünfte Glocke, und als es ihn trifft.

Die Wurzelkammer wird wei?.

Nicht das Bernstein des Sporenlichts. Nicht das Grün der Erregungsantwort.

Wei?. Jeder leuchtende Organismus auf jeder Fl?che feuert gleichzeitig, eine koordinierte Entladung wie ein neuronales Ereignis, als w?re die Kammer selbst eine Synapse und h?tte gerade gefeuert.

Das Licht ist so hell, dass Nolan es durch die geschlossenen Lider sieht, durch die H?nde, an deren Pressen auf sein Gesicht er sich nicht erinnert, durch den K?rper des Mannes, der an ihn gedrückt ist.

Er kommt, und es h?rt nicht auf. Fünf menschliche Orgasmen und drei Antworten der Waldschrate, Kerns Grollen aus der Tiefe der Erde, das Erde von der Decke rieseln l?sst, Moders Ranken, die hell genug aufflammen, um Schatten zu werfen, Splints ganzk?rperliches Aufblühen wei?er Blüten aus jedem Quadratzentimeter Holzhaut, alles speist einander in einer Schleife, die keinen Ausgang hat, die sich über die Lust hinaus in ein Gebiet steigert, für das das Wort Lust nicht entworfen wurde.

Die W?nde der Kammer ziehen sich zusammen. Nolan spürt es. Das lebendige Holz, das diesen Raum bildet, zieht nach innen, verengt sich, wie eine Faust sich schlie?t oder ein Herz schl?gt oder ein K?rper sich am H?hepunkt zusammenkrampft. Die ganze Kammer ist ein Muskel, und sie drückt zu.

Unter ihnen leuchtet das unterirdische Netz unter dem Schwarzwald auf.

Nicht nur die Kammer. Der ganze Wald. Sechstausend Quadratkilometer Pilzf?den feuern in gleichzeitiger Kaskade, ein neuronales Muster, so weit, dass es von oben sichtbar w?re.

F?den aus bernsteinglühendem Licht rasen an Wurzelsystemen entlang, leuchtende Fernstra?en, die unter Boden und Stein und den schlafenden Wurzeln von zehn Millionen B?umen aufflammen.

Der Schwarzwald ist für einen Moment nicht schwarz.

Er ist von unten erleuchtet wie eine Stadt aus dem All gesehen, ein Kreislauf, illuminiert vom Puls von acht K?rpern in einer Kammer unter einem Karsee, in den Priester D?monen gebannt haben.

Nolan wei? das durch die unm?glichen Sinnesdaten, die jeden Nerv fluten, den er besitzt.

Er kann fühlen, wie das Licht die R?nder des Waldes erreicht, kann fühlen, wie es an die Grenze des tiefen Waldes st??t und sich dort an den alten Wurzelsystemen entlang ausbreitet, kann fühlen, wie es die H?nge des Feldbergs erreicht und die Tiefe des H?llentals und den Rand von Freiburg, wo der Wald an die Stadt st??t und die Stadt nicht wei?, was nebenan wohnt.

Der Wald ist wach. Ganz. Zum ersten Mal seit. Wie lange? Nolans zerfallender Verstand kann es nicht ausrechnen. Jahrhunderte. L?nger. Seit vor der Zeit, als Menschen Freiburg bauten. Seit vor den R?mern.

Ein Organismus. Mensch und Wald und ein drittes Ding, ?lter als beides.

Nolan kann sich nicht davon trennen. Er ist das Wurzelnetz und der Stein und das schwarze Wasser des dunklen Auges, das auf der Decke lastet.

Er ist Kerns alte Geduld und Splints eifrige Freude und Moders pr?zise Neugier.

Er ist Masons zerschlagener Widerstand und Dereks befreites Schweigen und Theos heilige Rücksichtslosigkeit und Jonah.

Er ist Jonah, und Jonah ist er, und die Grenze zwischen ihnen, die zehn Jahre Aufwand gekostet hat, l?st sich in einer einzigen wei?glühenden Sekunde auf wie Frost auf einer Scheibe, die eine Hand berührt.

Er ist der Wald, und der Wald kommt, und es h?rt nicht auf.

Es h?rt nicht auf.

Irgendwo weit oben, jenseits von Stein und Boden und dem verfilzten Wurzelnetz einer Million B?ume, hebt sich eine Schleiereule von ihrem Ansitz in einer abgestorbenen Fichte und schreit in die Dunkelheit.

Sie kann die Vibration spüren, die durch den Stamm steigt.

Jedes Tier im Schwarzwald kann das. Füchse erstarren mitten im Schritt.

Ein Sprung Rehe steht reglos auf einem Rücken, die Lauscher zum Boden gedreht, und h?rt einer Schwingung unter sich zu, die sie noch nie geh?rt haben und an die ihre Gene sich erinnern.

Der Wald spricht. Alles davon. Auf einmal.

Nolan ist im Wort.

Er ist das Wort.

If ads affect your reading experience, click here to remove ads on this page.