KAPITEL 21 #3
Er wei? nicht, wo sein K?rper aufh?rt und die Verbindung anf?ngt, und es ist ihm gleich, weil dieses Kümmern eine Grenze zwischen Selbst und Anderem verlangt und diese Grenze nicht mehr existiert.
Er ist acht Herzschl?ge in einer Brust. Er ist bernsteinfarbener Saft und Blut und das alte dunkle Wasser darüber.
Er ist Jonahs offene Augen und Masons blo?e Kehle und Theos wilde Freude und Dereks stille Kapitulation.
Er ist Holz und Knochen und Hyphen und die kleinen wei?en Blüten, die nur in Gegenwart von Verlangen aufgehen.
Der H?hepunkt h?lt. Unm?glicherweise. Ein gehaltener Ton, der abklingen müsste und es nicht tut, acht Energiequellen, die sich in einen einzigen Stromkreis ergie?en, der seit vor den R?mern darauf wartet, geschlossen zu werden.
Dann.
Stille.
Das wei?e Licht l?sst los. Ein langes Ausatmen, allm?hlich, der Schein dimmt von Wei? über Gold über Bernstein zu einer Weichheit, die kaum noch als Licht durchgeht.
Die Kammerw?nde entspannen sich. Das Wurzelnetz unter dem Wald f?hrt herunter.
Nicht aus, nie aus, aber zurück in sein ruhendes Summen.
K?rper brechen zusammen.
Nicht anmutig. Nicht dramatisch. Sie fallen.
Wie eine Marionette f?llt, wenn man die F?den durchschneidet, alle tragende Spannung mit einem Schlag weg, die Schwerkraft holt sich, was die Verbindung in der Schwebe hielt.
Nolan knicken zuerst die Knie ein, dann die Hüften, dann die Schultern, ein Versagen jedes tragenden Gelenks der Reihe nach.
Moder f?ngt ihn auf. Oder Moder f?llt mit ihm.
Der Unterschied spielt keine Rolle, weil der K?rper des Waldschrats sich auf dem Weg nach unten um Nolans legt und die Landung keine Landung ist, sondern ein Setzen, wie Schwebstoff das Bachbett findet, wie Schnee den Boden findet.
Nolan trifft auf dem Moosboden auf, und es ist das Weichste, was er je gespürt hat.
Der lebendige Boden federt sie ab, aktiv, absichtsvoll, ordnet sich zu einer Wiege, die menschliches Gewicht mit der Sanftheit eines angehaltenen Atems tr?gt.
Moders K?rper ist hinter ihm, um ihn, der Waldschrat über Nolan gefaltet wie ein Unterstand, die Holzhaut strahlt eine W?rme ab, die nichts mit Reibung oder Anstrengung zu tun hat.
Sie ist innerlich. Stoffwechsel. Die W?rme eines lebenden Waldes.
Jonah liegt neben ihm. Ihre H?nde finden einander im schwachen Bernsteinschein, und die Finger verschr?nken sich, und keiner von beiden hat die Muskelkontrolle zuzudrücken, aber keiner von beiden muss. Berührung genügt. Berührung hat immer genügt. Sie konnten einander nur vorher nicht erreichen.
Irgendwo zu seiner Linken macht Mason ein Ger?usch.
Kein Wort. Kein St?hnen. Ein langes, bebendes Ausatmen, der Laut eines Gewichts, das achtundzwanzig Jahre in seiner Brust gelegen hat und endlich den K?rper verl?sst. Kerns gewaltige Form legt sich um Mason, wie eine Basaltwand sich um eine Bucht legt.
Schützend, unverrückbar, die Risse in seiner Rinde noch schwach orange glühend, sein Grollen auf eine Frequenz gesenkt, die kaum noch h?rbar ist. Ein Laut, den man in den Z?hnen und im Brustbein spürt. Ein Laut, der sicher bedeutet.
Splint hat drei M?nner in die Krümmung seines K?rpers gesammelt wie in ein Nest. Theo an seine Brust geschmiegt, Derek an Theos Rücken, Jonahs Beine mit ihren verflochten.
Die Blüten an Splints Armen schlie?en sich.
Langsam, Blatt für Blatt, jede dunkelt beim Zusammenfalten ab.
Sie sterben nicht. Sie ruhen. Das ausdrucksvolle Gesicht des Waldschrats ist dem menschlichen Frieden n?her, als Nolan es an nichtmenschlichen Zügen je gesehen hat.
Die Augen halb geschlossen, der Schein darin auf warme Glut heruntergefahren, das Moos, das ihm wie Haar vom Kopf f?llt, über die drei M?nner gebreitet, die er h?lt.
Atmen. Das ist der einzige Laut, der in der Wurzelkammer übrig ist.
Acht Paar Lungen. Drei, die keine Luft brauchen und trotzdem atmen, weil der Rhythmus zur Bindung geh?rt. Fünf, die sie verzweifelt brauchen, zerrissen, tief, die Art Atmen, die nach Sprint oder Schluchzen kommt oder nach beidem.
Nolan liegt im weichen bernsteinfarbenen Dunkel, Moders Herzschlag an seinem Rückgrat und Jonahs Hand in seiner Hand und den Geschmack von Kupfer und bernsteinfarbenem Saft und Salz auf der Zunge, und er denkt: Ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, zu beschreiben, was gerade passiert ist, und ich werde es nie richtig treffen.
Sein Feldtagebuch liegt im Rucksack, irgendwo an der Oberfl?che, in einem Zelt an einem schwarzen See, der sich so fern anfühlt wie Portland.
Er hat seit Tagen nichts hineingeschrieben.
Seine Handschrift versagte schon, bevor sie in die Kammer hinabgestiegen sind.
Jetzt versteht er, warum. Es gibt kein Notationssystem dafür.
Keine Taxonomie. Keine bin?re Nomenklatur, die fasst, was geschieht, wenn ein Wald sich mit den sterblichen Dingen paart, die über seinen Boden gehen, und sie alle miteinander für einen einzigen wei?glühenden Moment ein Organismus werden, der vom Grundgebirge bis ins Kronendach reicht.
Er wird es trotzdem versuchen. Sp?ter. Er ist Wissenschaftler. Dokumentation ist Hingabe.
Aber jetzt gibt es nichts zu tun, au?er zu atmen und gehalten zu werden und dem Wald zuzuh?ren, wie er sich um sie herum zur Ruhe legt wie ein K?rper, der in den Schlaf findet.
Die Kammer dunkelt ab.
Der weiche Schein h?lt.
Alles ist still.